Balkonnutzung – Rechte und Pflichten des Mieters

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Frage:

Sehr geehrte Redaktion, seit Jahren hatten wir nun mal wieder einen Mieterwechsel. Außer uns (Erdgeschoss) wohnen noch zwei Mietparteien im Haus. Eine davon ist nun ausgezogen (1. OG). Bisher sind alle gut miteinander ausgekommen. Leider ist das jetzt mit der neuen Mietpartei nicht mehr so. Bisher waren es nur neue Wohngeräusche. Ob man da schon von Lärmstörung sprechen kann, ist schwer zu beurteilen. Vielleicht müssen auch wir uns ein wenig umstellen. Die ausgezogenen Mieter waren schon etwas älter, die neuen Mieter sind deutlich jünger und sehr umtriebig. Da wollen wir erstmal die Entwicklung abwarten. Nun ist aber eine massive Beschwerde von den Mietern im 2. OG auf uns zugekommen. Mit den ersten schönen Außentemperaturen haben die neuen Mieter praktisch nicht mehr aufgehört zu grillen. Der Balkon ist überdacht, und so hält auch ein leichter Regenschauer die Mieter nicht vom Grillen ab. Der Rauch zieht nach oben in alle Richtungen und stört die Mieter darüber sehr. Insgesamt sieht der Balkon auch schon aus wie ein botanischer Garten. Die Mieter darüber verlangen nun, dass wir das unterbinden. Könnten Sie kurz etwas ausführen, wie es sich mit dem Grillen und der üppigen Bepflanzung verhält?

Antwort:

Gerne führen wir einige grundsätzliche Regelungen zu diesem Sachverhalt aus. Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Thematik, bei zunehmend gutem Wetter, jedes Jahr wieder zu Streitigkeiten zwischen den Hausparteien oder auch Nachbarn führt. Grundsätzlich können Ihre Mieter den zur Mietwohnung gehörenden Balkon oder Garten nutzen, wie sie wollen. Mieter haben hinsichtlich einem zur Mietwohnung gehörenden Balkon oder Garten die gleichen Rechte, aber auch Pflichten, wie in ihren Mieträumen. Allerdings werden diese Rechte durch die Interessen von Nachbarn und Vermietern eingeschränkt. Mieter haben das Recht, auf dem Balkon ihrer Mietwohnung Blumenkübel, Blumentöpfe usw. aufzustellen. Sie dürfen auch Blumenkästen am Geländer anbringen und nach ihren eigenen Vorstellungen bepflanzen. Blumenkästen dürfen grundsätzlich auch an der Außenseite eines Balkons befestigt werden, müssen aber ordnungsgemäß und sicher angebracht werden, um Gefährdungen Dritter auszuschließen. Es kann anders aussehen, wenn die Vorderfront des Hauses betroffen ist, und die Gesamtansicht der Hausfront beeinträchtigt wird. Hier kann ein Aufhängen von Blumenkästen möglicherweise untersagt werden. Natürlich darf auf dem Balkon einer Mietwohnung und im Garten gegessen, getrunken und gefeiert werden. Das Gebot der Rücksichtnahme gebietet aber, dass im Interesse der Mitbewohner alles so leise wie möglich stattfindet. Auch in Mehrfamilienhäusern darf auf dem Balkon oder im Garten gegrillt werden. Nachbarn oder Mitmieter müssen dies akzeptieren. Allerdings gibt es von diesem Grundsatz Ausnahmen: Ist im Mietvertrag ausdrücklich das Grillen auf dem Balkon oder der Terrasse verboten, müssen sich Mieter daran halten.  Nicht gegrillt werden darf, wenn Rauch in Nachbarwohnungen ziehen kann und der beim Grillen entstehende Qualm in störender Weise in die Wohnung eines Nachbarn eindringt. Das ist, etwa bei entsprechender Wetterlage, eine unzumutbare Belästigung. Zu empfehlen ist deshalb die Nutzung von Elektrogrill, statt Holzkohlegrill. Selbstverständlich ist auch die Nachtruhe einzuhalten. Das ist in den meisten Mietverträgen in der Hausordnung durch Benennung von Uhrzeiten festgehalten. Wir empfehlen, zunächst eine einvernehmliche Lösung anzustreben. Auch die beschwerdeführende Partei sollte mit hinzugezogen werden. So könnten vielleicht einvernehmliche Regelungen, mit denen alle Parteien leben können, gefunden werden. Wenn das nicht funktioniert, kann man Ihnen eine Rechtsberatung sicher helfen. Halten Sie die Tage und Uhrzeiten, zu denen gegrillt wird, fest. Ihr Anwalt kann dann besser beurteilen, ob es gerichtlicher Hilfe bedarf bzw. wie hoch die Erfolgsaussichten sind.

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