Comeback der Haferwurzel – Eine alte Gemüseart wiederentdeckt

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Viele Gartenbesitzer interessieren sich inzwischen für alte Gemüsearten, die ursprünglichen, nachhaltigen Anbau versprechen. Eine solche Gemüseart ist die Haferwurzel. Man muss sehr weit zurückgehen, um etwas über ihre Herkunft zu erfahren. Sie stammt aus dem Mittelmeerraum. Schon kluge Menschen des alten Griechenlands schätzten die Haferwurzel. Auf dem langen Weg nach Zentraleuropa überquerte sie die Alpen, ein Zeichen für Widerstandskraft und Überlebenswille und etablierte sich dauerhaft in den Gärten des Mittelalters, verschwand jedoch in der Konkurrenz zu Schwarzwurzeln. Jetzt ist sie wieder da. Jedenfalls kann man inzwischen hier Saatgut bekommen, vornehmlich im Biohandel.

Wer Haferwurzel mal versuchen will, muss drei Dinge beachten:

1. Die Pflanze wächst zweijährig, im ersten Jahr vegetativ mit Blättern und Wurzel, im zweiten Jahr generativ zur Blütenbildung, während die Wurzeln zeitgleich verholzen und damit ungenießbar werden. Wer erfreut feststellt, dass Haferwurzel nicht nur gut schmeckt, sondern auch hübsch blüht, hat den Erntezeitpunkt verpasst. Also: Von Beginn an gut pflegen und im ersten Jahr ernten.

2. Haferwurzel ist wie Schwarzwurzel ein Spätentwickler. Die Kultur steht unter dem Motto: früh säen, spät ernten. Sie dauert sehr lange von März bis in den Winter. Wer nur wenig Platz im Garten hat, sollte das bedenken und statt Haferwurzel Gemüsearten mit kürzerer Kulturzeit wählen, wie Salate, Rettiche und Radies, Bohnen, frühe Möhren; Gemüsearten, die es gestatten, ein Beet im Laufe der Vegetationszeit zwei-, eventuell dreimal zu nutzen und entsprechend viel zu ernten.

3. Haferwurzel bildet wie Schwarzwurzel ziemlich lange Wurzeln, falls aufmerksame Pflegemaßnahmen die Voraussetzungen dazu schufen. Wichtigste Voraussetzung ist gründlich tief gelockerter Boden. Kann die Wurzel in festem Boden nicht ungestört wachsen, wird sie beinig, das heißt, sie bildet statt einer schlanken, dicken Wurzel mehrere kürzere, schräge oder sonst verunstaltete. Davon hat man dann wenig Ertrag und umständliche Putzerei.

Kulturanleitung kurz gefasst: Saattermin möglichst früh im März/April in humosen, durchlässigen Boden, Saattiefe etwa 10 cm, je 3-4 Samen mit 20-25 cm Abstand, später verziehen auf stärksten Sämling. Mit Kompost düngen und mulchen, bei Trockenheit gründlich wässern. Ernte ab Oktober bis Januar/Februar, da winterfest direkt vom Beet oder Wurzeln vor Winter an kühlem Ort in feuchtem Sand einschlagen und nach und nach verbrauchen.

Text und Bild: Ilse Jaehner

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