Die Sonnenblume als Nutzpflanze – So gut wie alles lässt sich verwerten

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Kaum zu glauben, was man nicht alles essen kann. Jetzt ist die Sonnenblume dran, nicht etwa ihre Kerne sondern die Blüten. Eine Blüte mit noch nicht ganz ausgewachsenen Kernen nimmt man sich vor, entfernt ziemlich viel von den oberen noch weichen Teilen der Kerne mit Blütenresten und vom Blütenboden alles Grün, gewinnt auf diese Weise ein artischockenähnliches Objekt und gart es in der Pfanne, bestreut zum Anrichten hübsch mit gelben Blütenblättern, eigentlichen Blüten. Das ist, allerdings sehr kurz gefasst, das Rezept.

Es geht gleich weiter: nicht nur die Blütenböden sind essbar, auch Knospen, ferner junge Stiele als Spargelersatz. Diese Angebote sind noch verhältnismäßig unbekannt im Vergleich zu Sonnenblumenkernen, die lange Tradition haben, schon in Nordamerika, woher die Sonnenblume stammt. Sonnenblumenkerne als sogenannte Knabber-
kerne schätzt man besonders im südlichen Russland und in der Ukraine, wo sich auch einige der Hauptanbaugebiete für Sonnenblumen befinden, dicht gefolgt von Argentinien und ­einigen anderen Ländern. Es gab Versuche, in Deutschland den Anbau von Sonnenblumen zu forcieren, man musste aber feststellen, dass sie feldmäßig angebaut nur im Süden und Südwesten im sonnig-warmen Klima ausreichend gut gedeihen.

Die Kerne sind vielseitig verwertbar. Zunächst als Nahrungsmittel. Eine Handvoll Kerne machen etwa so satt wie ein Steak und sind gesünder! Man kann sie roh essen, gemahlen als Mehl, ganz als Zutat zu Brot und süßem Backwerk. Und sie sind wichtige Öllieferanten. Sonnenblumenöl ist erfreulich vitaminreich mit viel Vitamin A, E, B, Karotin, Calcium, Magnesium und Jod. In jüngster Zeit bemüht man sich mit Erfolg, Sonnenblumenöl zum Frittieren hitzebeständig zu machen. Den Abfall aus der Kernverarbeitung möchte ein deutscher Müller sogar als Biokunststoff zum Bau von Tischen, Bänken und Stühlen kreieren. Technisches Sonnenblumenöl ist Bestandteil von Farben und Lacken, von Konservierungsmitteln für Leder und Holz. Ganze Sonnenblumenpflanzen dienen als Viehfutter und zur Gewinnung von Biodiesel. In einigen ländlichen Gebieten des Balkans stellt man aus Sonnenblumenstängeln Musikinstrumente, z.B. Flöten, her.

Menschen profitieren von der Heilkraft von Sonnenblumentinkturen und Tees bei Wundbehandlung und inneren Beschwerden. Tiere sind nicht minder interessiert an Sonnenblumen, vorab Bienen, Hummeln, Schwebfliegen, die bei der Nektarsuche die Blüten bestäuben. Vögel und Eichhörnchen machen sich am Futterhäuschen gemeinsam über die Kerne her. Sterben die Pflanzen im Herbst ab, werden die Stängel, Blatt- und Blütenreste geschreddert und wärmen als Mulchdecke andere Pflanzen. Wurzeln bleiben in der Erde, verrotten und lockern den Boden.        

Text und Bild: Ilse Jaehner

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