In Zukunft nur noch robuste Tomatensorten

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Der Sommer 2021 war für Tomaten im Garten alles andere als ein Erfolgsjahr. Kaum konnten die ersehnten ersten Früchte geerntet werden, verbreitete sich erbarmungslos eine Pilzkrankheit und vernichtete alle Träume einer reichlichen Tomatenernte. Nicht nur im eigenen Garten, sondern in der gesamten Region waren schon ab Mitte Juni die Pflanzen abgestorben und auch durch chemische Maßnahmen war nichts mehr zu retten.

Was war passiert?

Den meisten Gartenbesitzern ist bekannt, dass Tomaten im Freiland schnell von einer bestimmten, gefährlichen Pilzkrankheit befallen werden können und das ist abhängig vom Wetter. Die Pilzkrankheit heißt Kraut- und Braunfäule, wissenschaftlich Phytophthora infestans und kann auch den Kartoffelpflanzen gefährlich werden. Wenn die Pflanzen länger als 8 Stunden feucht sind, die Luftfeuchtigkeit hoch ist und die Temperaturen 18 Grad überschreiten, ist die Gefahr sehr groß, dass sich dieser Pilz rasant ausbreitet und die Ernte innerhalb kurzer Zeit vernichtet. Auch die Taubildung kann gefährlich werden, wenn die Pflanzen nicht frühzeitig abtrocknen. Vielerorts werden deshalb die Tomatenbeete mit einem Folienzelt überdacht, damit die Pflanzen trocken bleiben. Aber Vorsicht: Bei nicht ausreichender Belüftung kommen die Pflanzen ins Schwitzen und werden ebenfalls feucht und dann krank.

Übrigens: Die staubfeinen Sporen, (so nennt man die Samen der Pilze) sind im Garten überall und unsichtbar vorhanden, vermehrt dort, wo auch Kartoffeln angebaut werden. Sie überwintern, und werden im Sommer schon durch leichte Luftbewegungen an die neuen Pflanzen weitergetragen. Behandlungen mit Pflanzenschutzmitteln sind zwar möglich, besser und sicherer sind aber alternative Vorkehrungen. Allgemein ist die penible Pflege, richtiger Abstand und Standort, sowie Düngung und ständiges Ausgeizen von großer Bedeutung.

Wie kann ich vorsorgen?

Wer seine Pflanzen selbst aussät, sollte nur Saatgut kaufen mit dem Aufdruck: tolerant gegen Kraut- und Braunfäule. Hinweise wie z.B. „Robuste Sorte“ oder „Resistent gegen viele Krankheiten“ oder „von Natur aus tolerant“ usw. dienen nur Werbezwecken und sind nicht verbindlich. Größtenteils werden aber zu gegebener Zeit Jungpflanzen gekauft. Auch hier kann ich als leidenschaftlicher Gärtner nur anraten, Pflanzen, die für das Freiland gedacht sind, nur mit einer eindeutigen Sortenbezeichnung und dem unmissverständlichen Hinweis: tolerant (oder hochtolerant) gegen „Kraut- und Braunfäule“ zu kaufen. Gute Fachgeschäfte bieten dies selbstverständlich an.

Die richtigen Sorten sind das Wichtigste

Seit längerem bieten die großen Saatgutkonzerne Sorten an, die tolerant gegen die gefürchtete Kraut- und Braunfäule sind, z.B. Philovita F1, Phantasia F1, Honey Moon F1 und Paoline F1. Von F1-Hybriden kann aber kein eigenes Saatgut gewonnen werden. Dr. Bernd Horneburg forscht und züchtet seit vielen Jahren im ökologischen Freiland-Tomatenprojekt samenfeste Tomatensorten, die speziell für den Anbau im Freiland ohne Schutz geeignet sind (www.uni-kassel.de/go/freilandtomatenprojekt). Jetzt sind einige dieser Sorten im Handel, die das Prädikat „tolerant und hochtolerant gegen Kraut- und Braunfäule“ erhalten haben, zum Beispiel Primabella, Resibella, Rondobella und Vivagrande. Saatgut dieser Sorten und vieler anderen robuster Sorten gibt es auch in Bio-Qualität.

Text und Bild: Gärtnermeister Maurus Senn

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