Ist Kinderlärm ein Kündigungsgrund?

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Frage:

Wir haben ein Anwesen erworben und sind vor einiger Zeit über Eigenbedarf in die Erdgeschosswohnung selbst eingezogen. In der Wohnung über uns wohnt ein junges Ehepaar mit zwei Kindern und ein weiteres Kind wird erwartet. Diesem Umstand haben wir zunächst keine Bedeutung beigemessen, wir haben selbst erwachsene Kinder und auch Enkel. Insofern bezeichnen wir uns als kinderfreundlich und wissen auch, dass Kinder immer eine gewisse Unruhe und Lärm verbreiten. Seit längerer Zeit erleben wir nun aber eine Lärmkulisse, die nach unserer Auffassung nicht mehr hinnehmbar ist. Alle Gespräche darüber verliefen fruchtlos und uneinsichtig. Wir haben bisher nichts Rechtliches unternommen, da man immer gelesen hat, Kinderlärm sei hinzunehmen, üblich und gehöre zur ortsüblichen Geräuschkulisse. Nun haben wir aber gelesen, dass ein Gericht Kinderlärm als Kündigungsgrund anerkannt hat. Können Sie dazu etwas ausführen? Wir haben schon daran gedacht, wieder auszuziehen.

Antwort:

Zunächst haben Sie völlig richtig ausgeführt, dass Kinderlärm, so weit ein gewisses zuträgliches Maß nicht überschritten wird, hingenommen werden muss. Die Toleranzschwelle ist sehr viel höher, als bei anderen Störungen durch sonstige Lärmquellen. Aber das ist natürlich auch immer von Einzelfall-umständen abhängig. Möglicherweise haben Sie ein Urteil des Landgerichts Frank-furt gelesen. Das Gericht hat einen Kündigungsrechtsstreit zugunsten des Ver-mieters entschieden. Durch Zeugenaussagen konnte belegt werden, welche Störungen und Beeinträchtigungen zu welcher Tages- und Nachtzeit von den Bewohnern des Hauses erduldet werden mussten. Insgesamt hat das Gericht die Lärmstörung auch nicht mehr als zumutbar und damit auch nicht mehr als sozialadäquat eingeordnet. Der ordentlichen Kündigung des Vermieters wurde stattgegeben (LG Frankfurt a.M., Beschluss vom 24.9.2018, Az.: 2 – 11 S 155/18). Das Gericht hat aber auch klargestellt, dass gelegentlich auftretender Kinderlärm in einem Mehrfamilienhaus von den übrigen Bewohnern und Nachbarn hingenommen werden muss und verstoße soweit nicht gegen das Rücksichtnahmeverbot. Wir raten Ihnen, Ihre spezielle Situation mit einem Fachanwalt zu besprechen. Dort wird man die genauen Umstände des Störungsverhaltens beurteilen und entscheiden, ob Aussicht auf eine erfolgreiche Kündigung besteht. Ein Lärmprotokoll über das Verhalten der Mieter über Ihrer Wohnung ist auf jeden Fall hilfreich.

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