Mangelhafte Trinkwasser-Installation in einem Gebäude mit 170 Wohneinheiten

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Kein Quartier für Legionellen

Für eine kontaminierte Trinkwasser-Installation gibt es sinnvolle Sanierungsmöglichkeiten. Verschlechtert sich die Trinkwasserqualität in älteren Gebäuden, dann sind schnelle und praktikable Lösungen gefragt. So konnte beispielsweise in einem Wohngebäude mit 170 Wohneinheiten im laufenden Betrieb die Trinkwasserqualität wiederhergestellt werden, bei gleichzeitiger Optimierung des Rohrleitungssystems. 

Wie können Mängel erkannt werden?

Ein Mangel in einer Trinkwasser-Installation kann auf verschiedenen Wegen erkannt werden, z.B. durch einen positiven Untersuchungsbefund oder auch durch eine systemorientierte Inspektion der Anlage. Aber auch durch Beschwerden der Nutzer oder im schlimmsten Fall durch Erkrankungsfälle, die mit dem Gebrauch von Trinkwasser im Zusammenhang stehen könnten. Im vorliegenden Fall war ein großes Wohn- und Geschäftsgebäude mit insgesamt 170 Wohn- und Geschäftseinheiten aus den 80er Jahren von deutlichen Wasserverfärbungen auf Grund von Korrosion betroffen, die Bewohner klagten über „unappetitliche Brühe“ aus den Entnahmestellen. Das Gebäude verfügt über insgesamt 63 Steigleitungen, die von einer zentralen Stelle aus das Trinkwasser im Gebäudekomplex verteilen. Dem Baualter der Installation entsprechend waren die bis zu 4200 Meter langen Rohrleitungen aus schmelztauchverzinkten Eisenwerk-stoffen, die im Laufe der Jahre unter Korrosion zu leiden hatten und in denen durch Kalkablagerungen teilweise auch die Querschnitte der Leitungen deutlich verkleinert waren.

Durch Korrosion und Ablagerungen verengte Leitungen

Die vollständige Gefährdungsanalyse ergab, dass die Veränderungen der Trinkwasserqualität ausschließlich auf Korrosionsvorgänge, Sedimentierung und Querschnittsverengungen im Rohrleitungssystem zurückzuführen waren sowie auf eine mangelhafte Durchströmung und Temperaturhaltung in einzelnen Leitungsteilen. Demnach bestand eine realistische Chance, den erhaltungswürdigen Bestand der Installation durch geeignete Sanierungsmaßnahmen zu sichern. Da eine Reinigung der Installation im Rahmen einer Sanierung nur dann nachhaltig wirksam ist, wenn die Maßnahmen jeden Bereich und alle Abschnitte einer Trinkwasser-Installation erreichen können, mussten im Vorfeld als bauliche Maßnahme sämtliche Rohrbe- und Entlüfter, Stagnations- und Totleitungen entfernt werden.
Um in den Rohrleitungen Inkrustationen und Biofilme zu entfernen, war zunächst ein Spülen mit Wasser und Luft erforderlich unter Zugabe der Wirkstoffkombination Giroclean, nachdem die Stagnationsleitungen vollständig entfernt wurden.

Ausfräsung besonders hartnäckiger Verkrustungen

Da einige Einzelanschlussleitungen durch Verkrustungen und Ablagerungen derart verengt waren, dass eine Spülung wenig Erfolg versprach, wurden solche Leitungsteile zunächst mit einer flexiblen Welle ausgefräst, um wieder für einen entsprechenden Durchfluss zu sorgen. Das gewählte Sanierungsverfahren GIROclean® einer zerstörungsfreien Installations- Instandsetzung besteht im Wesentlichen aus drei Schritten:
1. Rohrspülung, Reinigung und Desinfektion der 63 Leitungsstränge des Gebäudes und des zugehörigen Leitungssystems im Sondereigentum (Küchen, Bäder, WCs);
2. Einbau von sensorgesteuerten Regelventilen (sogenannte GIROmaten®) in die 63 Leitungsstränge, welche den Wasserwechsel und die Wasserdynamik gewährleisten sowie einen zeit-, mengen- und temperaturgesteuerten Wasserwechsel in den Strängen sicherstellen.
3. Dosierung von alkalisierenden und deckschichtbildenden Mineralstoffen GIROtec® zur Vermeidung von Korrosionsschäden über eine Dosieranlage.

Dabei war es zwingend erforderlich, dass das gesamte Leitungssystem im Gemeinschafts- und im Sondereigentum gemeinsam saniert werden konnte. Die Vermeidung mikrobiologischer Vorgänge und von Korrosion werden durch den gesteuerten Wasserwechsel der Spül- und Regulierventile erreicht. Ist ein hydraulischer Abgleich in einem System nicht vorhanden, muss dieser zwingend nachgerüstet werden. In Bestandsanlagen ist jedoch eine genaue Berechnung der Strömungswiderstände und Druckverluste nahezu unmöglich. Im vorliegenden Fall wurden die Temperatur- und Druckverluste in Anlehnung an DVGW W 553 (A) näherungsweise berechnet.

Steuerung über einen Router in der Firmenzentrale

Auf die Nachrüstung herkömmlicher Regulierventile wurde jedoch verzichtet und stattdessen wurden in allen 63 Strängen jeweils am Ende des Zirkulationsstrangs ein elektrisch angesteuertes Motorventil installiert, das über einen Temperatursensor eine permanente Datenaufzeichnung gewährleistet. Die Daten der Öffnungsgrade aller 63 Motorventile und der Temperatursensoren werden automatisch erfasst und über einen Router in die Zentrale von Girolami übertragen. Bei eventuellen Störungen kann von dieser Zentrale aus korrigierend eingegriffen werden. Mit diesem permanenten Monitoring konnten die Öffnungswerte der einzelnen Ventile dann so eingestellt werden, dass in jedem Strang automatisch die vorgeschriebene Mindesttemperatur von 55 °C nicht mehr unterschritten wird.
In der Sammel-Zirkulationsleitung, kurz vor dem Wiedereintritt in den Trinkwassererwärmer, wurde zudem ein weiteres motorgesteuertes Ventil als Spüleinrichtung installiert. Über die zentrale Ansteuerung einzelner Motorventile können so einzelne Zirkulationsstränge gezielt gespült werden, um Ablagerungen und Biofilmbildung zu verhindern.

Schützende Deckschicht zur Vermeidung von Korrosion

Über eine Dosieranlage werden anschließend Mineralstoffe in das Leitungssystem eingegeben (GIROtec®). Diese Mineralstoffe ermöglichen den kontrollierten Aufbau einer schützenden, alkalisierten Deckschicht an der Innenwand der Leitungen und damit die Behebung und Vermeidung von Korrosionsschäden.
Sowohl nach Reinigungs- als auch nach Desinfektionsmaßnahmen sind zum Nachweis des Erfolgs der Maßnahme und entsprechend zur Dokumentation einer mikrobiologisch einwandfreien Trinkwasserbeschaffenheit an repräsentativen Entnahmestellen Untersuchungen erforderlich.

Geringe Beeinträchtigung der Wohnungsnutzer

Für die vollständige Sanierung aller 63 Stränge mit den zugehörigen Leitungen im Sondereigentum wurde insgesamt etwa ein halbes Jahr benötigt, während die Wohnungsnutzer jeweils nur während der beiden Tage beeinträchtigt wurden, an denen der sie versorgende Strang behandelt wurde.

Sanierung kostet nur Bruchteil der Neuinstallation

Das vorhandene Rohrleitungssystem konnte erhalten werden und die Investition zur Sanierung des Systems betrug lediglich 15 Prozent der Summe, die für eine vollständige Neuinstallation veranschlagt war.

Mehr Informationen unter: http://www.girolami.de

Autor: Arnd Bürschgens
Foto: Girolami GmbH

– Verordnung über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch in der Neufassung der Trinkwasserverordnung vom 10. März 2016
– Arnd Bürschgens: Legionellen in Trinkwasser-Installationen, Gefährdungsanalyse und Sanierung, Beuth Verlag, 1/2016
– DVGW-Arbeitsblatt W 551: Trinkwassererwärmungs- und Trinkwasser-leitungsanlagen; Technische Maßnahmen zur Verminderung von Legionellen; Planung, Errichtung, Betrieb und Sanierung von Trinkwasser-Installationen
– DVGW-Arbeitsblatt W 556: Hygienisch-mikrobielle Auffälligkeiten in Trinkwasser-Installationen; Methodik und Maßnahmen zu deren Behebung
– DVGW-Arbeitsblatt W 557: Reinigung und Desinfektion von Trinkwasser-Installationen
– DVGW-Arbeitsblatt W 558: Instandsetzung von Trinkwasser-Installationen

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