Modernes Wohnen im alten Haus – Typisierungen ermöglichen erste Einordnung

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„Familienfreundliche Doppelhaushälfte mit schönem Garten, 150 m² Wohnfläche, Baujahr 1962, renovierungsbedürftig“. So oder ähnlich liest man es häufig in Immobilienanzeigen. Doch was steckt hinter dem Begriff renovierungsbedürftig eigentlich? Einen ersten Anhaltspunkt bietet das Baujahr des Gebäudes, denn jede Baualtersstufe weist typische Merkmale auf.

Fachwerkhäuser

Diesen Bautyp findet man vor allem in ländlichen Gebieten und älteren Städten. Die tragende Konstruktion besteht aus Holz – das Fachwerk – die Gefache dazwischen wurden mit Lehm oder Ziegel gefüllt. Enge, niedrige Räume mit kleinen Fenstern, schiefe Wände und Böden sind ein typisches Bild von Wohngebäuden aus dieser Zeit.

Stadthäuser der Jahrhundertwende

Dieser typische Altbau der Großstadt versprüht mit großen hohen Räumen, Stuckdecken, dicken Außenwänden und großen Fensteröffnungen einen eigenen Charme. Holzbalkendecken, Wände aus Ziegel und Naturstein und eine Schaufassade zur Straße mit oft aufwändig gestalteten Zierelementen prägen das Bild dieser Bauten.

Wohngebäude der 1920er und 1930er Jahre

Neben Gebäuden in traditioneller Bauweise entstanden zu dieser Zeit auch moderne Bauten mit klaren, geometrischen Formen. Diese Wende zur Moderne ging nicht ohne Experimente mit Materialien und Konstruktionen wie zum Beispiel sehr dünnen Stahlbetondecken, auskragenden Stahlkonstruktionen, der Verwendung von Bimsstein, Stampfbeton oder Schlacke.

Die Nachkriegsbauten der 1950er Jahre

Nach dem Krieg musste schnell günstiger Wohnraum geschaffen werden. Kleine Wohnungen mit einfach gestalteten Grundrissen sind in dieser Zeit entstanden. Einfachste Materialien und dünne Bauteile kamen bei Wänden, Fenstern, Decken und Dachstühlen zum Einsatz.

Die Gebäude der 1960er Jahre

Das Baumaterial wurde wieder hochwertiger. Wände aus Betonstein oder Ziegel, massive Treppen und Betondecken wurden verwendet. Die Wohnräume waren immer noch zweckmäßig, wurden jedoch wieder großzügiger. Während bei den vorherigen Baualtersstufen noch Einzelöfen vorherrschten, kam nun oft die Ölzentralheizung zum Einsatz. Einfachste Materialien und dünne Bauteile wurden für Wände, Fenster, Decken und Dachstühle verwendet.

Bauen in den 1970er Jahren

Industrielles Bauen gewann in dieser Zeit an Bedeutung. Die Produktion von großformatigen Stahlbetonfertigteilen in der Werkstatt sollte das Bauen beschleunigen und damit die Baukosten senken. Gebäude aus dieser Zeit wirken oft sehr massiv und eintönig. Solche Typisierungen helfen bei einer ersten groben Einordnung. Welchen Sanierungsbedarf ein konkreter Altbau hat, lässt sich allerdings nur im Einzelfall klären.

Feuchte Keller und Sockel

Ein erster Blick gilt der Konstruktion. Aufgrund fehlender Abdichtung sind bei vielen älteren Gebäuden die Sockelbereiche und Keller feucht. Wenn klar ist, welche Nutzung die Kellerräume erhalten sollen, kann entschieden werden, welche Sanierungsmethode notwendig wird.

Mängel beim Wärme- und Schallschutz

Bei Gebäuden, deren Tragwerk aus Holz besteht, sollte man feucht gewordene Stellen und die tragenden Holzteile auf Schädlingsbefall prüfen. Darüber hinaus mangelt es beim Altbau häufig an Wärme- und Schallschutz. Dünne Außenwände mit baujahrstypischen Fenstern oder ungedämmte Dächer entsprechen nicht mehr den heutigen energetischen Anforderungen. Lösungen für das konkrete Gebäude müssen deshalb immer individuell erarbeitet werden. Denn ein passendes Standardvorgehen gibt es eigentlich nie, da sich jedes Bauwerk in einem anderen Zustand befindet.

Sanitärleitungen und Elektro­installation überprüfen

Die Haustechnik entspricht bei älteren Gebäuden ebenfalls selten den heutigen Anforderungen. Heizungs- und Sanitärleitungen sollten ebenso wie die Elektroinstallationen überprüft und gegebenenfalls komplett erneuert werden. Last not least gilt es natürlich zu überlegen, ob der vorhandene Grundriss den eigenen Ansprüchen gerecht wird. Wer soll in dem Haus wohnen? Die fünfköpfige Familie mit zwei Hunden, ein berufstätiges junges Paar, ein Single oder wollen zwei Ruheständler altersgerecht umbauen? Vielleicht eignet sich der bisher ungenutzte Dachraum zum Ausbau als Kinderzimmer oder die enge dunkle Küche wird zum Wohnraum hin geöffnet und damit neuer freundlicher Mittelpunkt im Haus. Im Sinne der Barrierefreiheit können breitere Türöffnungen und Flure notwendig sein. Vielleicht ergänzt man das Haus sogar um einen weiteren Eingang, wenn damit Hürden einfacher zu umgehen sind. Eine große bodengleiche Dusche kann die Badewanne aus den 1960er Jahren ersetzen. Platz für spätere Haltegriffe, Stellflächen für den Rollstuhl und Sitzgelegenheiten können bei der Badplanung schon früh berücksichtigt werden.

Eine Umbaumaßnahme stellt große Herausforderungen

Schäden am Gebäude, geltendes Baurecht, Raum- und Platzbedarf sind einige der vielen Dinge, bei denen Architektinnen und Architekten unabhängigen Rat geben können.

Informationen: www.akbw.de

Quelle: Architektenkammer BW
Foto: Architektenkammer BW

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