Ökobilanz – Holz- oder Massivbau? Ein ­vergleichendes Projekt gibt erste ­Antworten

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Holz oder massiv – das war die Frage, die sich bei der Umsetzung eines aufsehenerregenden Bauprojekts in Wolfurt, Österreich stellte. Dafür wurden erstmals zwei weitgehend identische Wohnhäuser – eines aus Holz und eines in Massivbauweise – errichtet und verglichen. Und die Untersuchung zeigt: Holzbau hat ein großes Potenzial. Aber auch im klassischen Bau lassen sich Zeit und Kosten sparen.

Erklärtes Ziel des richtungsweisenden Projekts war es, valide Befunde zu den Unterschieden bei der Baudauer, der Baustellenlogistik, der Lärm- und Staubentwicklung oder auch der Energieeffizienz zu erhalten, um so zukünftig die besten Materialien und Bauweisen für qualitativ hochwertigen, ökologischen und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum wählen zu ­können.

Holzbau hat die Nase leicht vorn
Ein erstes Zwischenfazit – die Untersuchungen zum tatsäch­lichen Energieverbrauch und dem Wohngefühl der Mieter und Eigentümer sind noch nicht abgeschlossen – lautet: In beiden Bauweisen schlummern versteckte Potenziale. Holz hat über alle Untersuchungen hinweg aber die Nase leicht vorne. Holzbaugebäude können heute bereits kosten­neutral errichtet ­werden. Weitere Punkte sammelt der Holzbau bei der Ausführungsqualität, beim Bauablauf sowie in der Ökobilanz. Poten­zial zeigte aber auch die mineralische Bauweise: Vor allem bei der Bauzeit lassen sich mit Vorfertigung schnellere Bauzeiten ­realisieren.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Baukosten:
Hier ergab die Auswertung – noch – leichte Vorteile für den Massivbau: Schon bei der Kalkulation für zweigeschossige Gebäude zeigte sich eine Teuerung von 0,6 Prozent vom Holzbau mit Holzfassade zum Massivbau mit Wärme­dämm­verbundsystem (WDVS), die mit der Steigerung der ­Geschosse wächst. Die Gründe dafür sind etwa die mitwachsenden Wandstärken der tragenden Wände sowie die wachsenden Anforderungen an den Brandschutz.

Bauzeit: 
Da der Holzbau aus städtebaulichen Gründen ein Stockwerk höher errichtet wurde als der Massivbau, musste die Bauzeit in der Studienrechnung entsprechend angeglichen werden. Im Ergebnis zeigte sich ein deutlicher Vorteil für die Holzhybridbauweise. Besonders der hohe Vorfertigungsgrad, die weitgehend trockene Bauweise sowie die sehr kurze wetterabhängige Phase gaben hier den Ausschlag. Mit einer bis zu 60 Prozent schnelleren Bauzeit liegt der Holzbau vorn: Diese Einsparung ermöglicht nicht nur eine deutlich frühere Übernahme und somit Nutzung für den Kunden, sondern auch eine Reduzierung der zeitgebunden Baustellengemeinkosten und Vorhaltezeiten. Ein weiterer Pluspunkt: die deutliche Entlastung der Anrainer und Nachbarn, die von der geringen Anzahl der Trans­porte – und vor allem von der Lärmreduktion im Außenbereich profitiert haben.

Bauqualität: 
Grundsätzlich ist die Holzhybridbauweise fehlerempfindlicher als die mineralische Bauweise. Dies ist im Wesentlichen auf die technisch meist komplexeren Details, die ­höhere Feuchteanfälligkeit und das Arbeiten mit bereits zu ­Beginn fertigen Oberflächen zurückzuführen. Gerade diese Punkte haben aber dafür gesorgt, dass sich die Probleme der Holzbauweise mittlerweile durch die konsequente Weiterentwicklung sowie die Sensibilisierung zu einem deutlichen Qualitätsvorteil gewandelt haben.

Verkauf: 
Die Entscheidung darüber, welche Wohnung gewählt wurde, trafen die Kunden zu 90 Prozent schlussendlich auf Grundlage der Lage, der Geschossigkeit und der Aussicht. Überraschenderweise stellte sich die Frage, ob der Kunde lieber ins Holz- oder ins Massivhaus einzieht, fast nicht.

Energie-/Ökobilanz: 
Insbesondere bei Niedrigenergiehäusern spielt die Herstellung der Baustoffe in der Gesamtökobilanz eine entscheidende Rolle. Die Holzbauvariante konnte in allen drei untersuchten Indikatoren, „Globales Erwärmungspoten­zial“, „Primärenergie, nicht erneuerbar“ und „Ökoindex“, ein deutliches Einsparpotenzial aufzeigen. Am deutlichsten wurde dies beim globalen Erwärmungspotenzial, bei dem die Einsparung zwischen den zwei Bauweisen bei 375 t CO2 eq. lag. Eine einfache Bewertung des ökologischen Fußabdrucks eines ­Gebäudes ist der Ökoindex. Die Holzbauvariante des Projektes erhielt dabei die höchste Förderstufe.

Weitere Informationen: www.rhomberg.com
Foto: epr/Kebony/René Sievert

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