Plattformlift – Barrierefreiheit auf engstem Raum

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Eigentümer von Mehrfamilienhäusern kennen das: Es gibt mehrere Stockwerke im Gebäude, aber nur Treppen und keinen Aufzug, was es für (ältere) Bewohner weiter oben beschwerlich macht. Ein Lift ließ sich bisher auch schwer nachrüsten, weil der Platz fehlte. Doch für solche Fälle gibt es mit einem Produkt aus Schweden nun Abhilfe. Einer, der einen solchen Plattformlift in seinem Mehrfamilienhaus einbauen ließ, ist Karl May aus Bitburg: „Innerhalb von nur einer Woche war der funktionsfähig“, weiß er zu berichten. Nun ist es den Bewohnern möglich, die verschiedenen Etagen ohne viele Stufen zu erreichen. Der wenige Platz im Treppenhaus war dabei kein Hindernis, denn der Lift passt da genau hinein wie die Faust aufs (Treppen-)Auge. Die deutsche Firma Ammann & Rottkord hat ihn exakt für solche Zwecke konzipiert und damit eine Marktlücke besetzt. Das benötigte Lochungsmaß beträgt gerade einmal 91 Zentimeter auf 1,37 Meter.


Zielgruppe im privaten Bereich sind Hauseigentümer wie Karl May

Der 68-Jährige ging zu Werke, ohne lang zu fackeln: „Ich wollte mein Haus fit für die zukünftige Vermietung machen“, erläuterte er und nahm dafür kräftig Geld in die Hand. 30.000 Euro kostet die Installation des Basis-Modells. Doch May legte noch 10.000 Euro drauf und bekam dafür eine „Deluxe-Ausstattung“ mit einem verglasten Schacht. Der war ihm wichtig, damit sich die Fahrgäste nicht wie in einem Gefängnis fühlen: „Glas nimmt die Angst“, sinniert er. „Ich vermiete meine zehn Wohnungen gerne an Paare oder Alleinstehende ab 40 aufwärts“, erklärt der ­Eigentümer. Die Älteren mit gesichertem Einkommen bilden eine homogene Mietgemeinschaft. Die wollen irgendwann mal nicht mehr jede Stufe einzeln nehmen und freuen sich über eine Erleichterung – gerade wenn mal der Wasserkasten oder der schwere Einkauf hochgeschleppt werden müssen. Karl May sieht deshalb den Fahrstuhleinbau auch als Service für seine (­potentiellen) Mieter.

Wenig Platz im Treppenauge, trotzdem passt der Aufzug rein

Der Aufzug verfügt im dreistöckigen Haus über vier Haltestellen (Keller, Erd-, erstes Ober- und Dachgeschoss). Der Schacht hat ein Maß von 88 Zentimetern auf 1,34 Meter, die Plattform eine Größe von 80 Zentimetern auf 1,08 Meter und eine Förderhöhe von neun Metern. Die Kosten hat der Rentner noch nicht auf die Miete umgelegt. Er hat so nicht nur die sperrigen Vorschriften einer Modernisierungsmieterhöhung umgangen, sondern auch die Zufreidenheit seiner Mieter erhöht. Sein Quadratmeter-Preis ist mit 7,60 Euro kalt sowieso niedrig für Bitburger Verhältnisse, denn er weiß: „Es gibt auch Wohnungen, in denen elf Euro verlangt werden“. Das will der 68-Jährige aber nicht, weil es ihm der geringere Preis ermöglicht, seine Mieter aussuchen zu können. „Letztens zog ein Ehepaar aus, weil es Nachwuchs erwartete und die Räume zu klein wurden. Ich musste gar keine Anzeige schalten, über Mundpropaganda hatte ich sofort fünf Interessenten“, freut er sich.

Plattformlift schlägt Seilaufzug

Der Plattformlift war für den Bitburger die erste Wahl. „Ich habe auch einen Seil-aufzug geprüft“, erklärt er, doch der kam nicht in Frage, weil er zu kompliziert war. Im Treppenhaus war nicht genügend Platz, daneben wären Brandschutzvorschriften zu beachten gewesen. Mit dem gewählten Modell (Aritco) ging alles ganz flott. „Ich habe die Baugenehmigung ohne Probleme bekommen“, so May. „Es ist kein zusätzlicher Brandschutz notwendig.“ Denn der Lift ist unter anderem durch eine Notabsenkung durchdacht konzipiert. Sollte der Strom ausfallen, bleibt der Aufzug auf einer Etage stehen und senkt sich automatisch über Akku-Notstrom in die nächste hinab. Für den Fall der Fälle, wenn trotzdem mal etwas schiefgehen sollte, existiert darüber hinaus ein Notrufsystem übers Mobilfunknetz. „Das ist speziell für solche Zwecke gedacht“, sagt der Pensionär. Ein Problem wird automatisch an den Service gemeldet, der dann vier gespeicherte Nummern benachrichtigt: May, den Reinigungsdienst, den Haus-Installateur und einen Nachbarn. „Somit ist für alle Fälle vorgesorgt.“
Einbau innerhalb nur einer Woche
Der Einbau ging wirklich flott: „Innerhalb einer Woche lief der Aufzug.“ Der gelernte Tischlermeisters May erledigte die Vorbereitung in Form von Fundament ausschneiden und Podestbau selbst. Denn das Gerät wiegt eine Tonne und muss einen festen Untergrund vorfinden. Auch änderte der rüs-tige Rentner die Geländer und schuf so die notwendigen Durchlässe. Die Stromversorgung ist kein Problem: „Der läuft mit 220 Volt und 16 Ampere“, so May. Damit waren keine separaten Installationen notwendig. Die Mieter machten sich im Vorfeld etwas Sorgen, „dass alles aufgebrochen wird“, sagt der Eigentümer. Doch diese Angst konnte er ihnen nehmen, denn die Baustelle existierte nur einen begrenzten Zeitraum. „Jetzt sind alle froh, dass es den Lift gibt“, lautet die durchweg positive Resonanz auf den Einbau. „Wer noch gut zu Fuß ist, ist schneller oben“, schmunzelt May. Aber eine wie Christa Blötsch, mit über 70 Jahren die älteste Bewohnerin, weiß den Service sehr zu schätzen. „Gerade wenn ich mal schwer zu tragen habe, nehme ich gern den Lift“, kam ihr die Installation sehr entgegen. Karl May sieht den Aufzug-Einbau, der von ihm mit Eigenmitteln gestemmt wurde, als Investition in die Zukunft. Letztlich zählt für den Eigentümer das ins Gebäude investierte Geld mehr, als wenn es auf der Bank liegen würde. Das war schon beim Hausbau im Februar 2012 so, als May das Gebäude zusammen mit Mitarbeitern seiner Firma selbst hochzog. Bereits im September 2014 konnten die ersten Mieter einziehen. Schon beim Bau setzte er in Form einer Wärmepumpe auf modernste Technik, weshalb seine Mieter auch weniger für die Heizung als fürs Wasser zahlen, wie er ganz nebenbei anmerkte.

Story: JV, Text: Thomas Wilken, Foto: Kai Mischner / JV

Hersteller: Aritco Lift AB Schweden, verbaut durch Ammann & Rottkord Deutschland
Förderhöhe: 9 Meter, kompl. Höhe des Aufzugs: 11 Meter (alles ungefähre Maße)
Plattformgröße: 0,8 x 1,08 Meter, Schachtmaß: 0,88 x 1,34 Meter
Benötigtes Lochungsmaß: 0,91 x 1,37 Meter.

Kontakt Ammann & Rottkord Deutschland Zentrale: 02504 88505

Homepage: http://www.ammann-rottkord.de 

 

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