Rückblick auf die Online-Sprechstunde mit Ronald Meyer – Vor jeder Sanierung Fördermittel beantragen!

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Einer der größten Fehler ist es, voller Tatendrang mit der Gebäudemodernisierung zu beginnen – aber die Fördermittel sind noch nicht auf den Weg gebracht. Dann verliert man seinen Anspruch auf die hohen Zuschüsse. Diese Fälle der ganz großen Enttäuschung gibt es häufig. Seit 1. Juli gilt die neue „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG). Die Zuschüsse wurden nochmals kräftig angehoben, die Bedingungen gegenüber den bisherigen Fördermöglichkeiten teilweise geändert oder ergänzt. Darüber haben wir während unserer Online-Sprechstunde am 14. Juni gesprochen und die wichtigsten Fragen und Antworten notiert. Hier ist das Ergebnis.

Ich habe ein sanierungsbedürftiges Haus – Wie fange ich an?

Der erste Schritt führt immer zum Energieberater, der auch als Antragsteller für Fördermittel zugelassen sein muss (www.energie-effizienz-experten.de). Er untersucht bei einem Vor-Ort-Termin den Zustand der Immobilie, stellt einen „Vor-Ort-Bericht“ zusammen und leitet daraus einen „individuellen Sanierungsfahrplan“ (iSFP) ab. Auf Grundlage dieser Dokumente kann die Entscheidung getroffen werden, was saniert werden muss. Vor-Ort-Bericht und iSFP kosten beim Ein- oder Zweifamilienhaus 1.500 bis 2.000 Euro. Davon werden bis zu 1.300 Euro (80 Prozent des Energieberaterhonorars) bezuschusst. Den Zuschuss beantragt der Energieberater.

Kann ich die Förderung auch für ein bereits saniertes Haus im Nachhinein beantragen?

Nein. Für Einzelmaßnahmen gilt: Erst die Förderzusage abwarten, dann die ausführenden Unternehmen beauftragen. Beantragung beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Für Gesamtsanierungen zum Effizienzhaus gilt: Die Unternehmen können bereits nach der Antragstellung oder – bei der Kreditvariante – nach einem „dokumentierten Beratungsgespräch mit einem Finanzierungspartner der KfW“ beauftragt werden. Planungsleistungen können jedoch schon vor Antragsstellung in Auftrag gegeben werden. Antragstellung bei der KfW-Förderbank (Investitionszuschüsse direkt, Darlehen über die Hausbank). Gut zu wissen: Die Entkernung eines Altbaus im Vorfeld einer Sanierung zählt bereits zum Vorhabenbeginn und zu den förderfähigen Kosten.

Wie lang dauert es, bis die rechtsverbindliche Fördermittelzusage vorliegt?

Im ersten Halbjahr 2021 lag die Wartezeit bei Einzelmaßnahmen – aufgrund der Umstellung der Zuständigkeiten zum 2.1.2021 – bei etwa 4 Monaten. Ob die Umstellung zum 1. Juli 2021 auf die neue BEG für Effizienzhäuser auch dort zu Verzögerungen führt, bleibt abzuwarten. Positiv: Die Bestätigung zum Maßnahmenbeginn liegt innerhalb einer Stunde nach Antragstellung mit Registriernummer vor.

Ab welchem Energieverbrauch lohnt sich eine energetische Modernisierung?

Wenn der Energieverbrauch über 150 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr – kWh/(m2a) – liegt, lohnt sich in aller Regel die energetische Modernisierung der eigenen Immobilie. In einem Liter Heizöl oder in einem Kubikmeter Gas sind rund 10 kWh Energie enthalten. Liegt der Energieverbrauch unter als
10 kWh/(m2a), ist alles in Ordnung. Bei einem Wert zwischen 10 und 15 kWh/(m2a) sollte ein Energieberater das Haus bei Gelegenheit anschauen und entscheiden. Vermutlich kann dann der Energieverbrauch mit ein oder zwei Einzelmaßnahmen – etwa nur die Fenster und/oder die Heizung tauschen – spürbar gesenkt werden.
Tipp: Prüfen, ob der Effizienzhaus-Standard erreicht werden kann. Dann fallen die Zuschüsse höher aus.

Wie berechnet man die beheizte Wohnfläche?

Bei einem Ein- oder Zweifamilienhaus addiert man die Flächen der einzelnen Räume, der Flure und des Treppenhauses. Hat man im Keller beispielsweise einen Hobbykeller mit Heizkörpern, kommt dieser Raum ebenfalls dazu. In Mehrfamilienhäusern ist es die Summe der Wohnungsflächen. Gut zu wissen: Der Energieberater rechnet aufgrund „standardisierter Randbedingungen“ über eine Formel, die gesetzlich vorgeschrieben ist. Diese Formel basiert auf dem Gebäudevolumen. Diese ermittelte „Gebäudenutzfläche“ ist „im Allgemeinen größer als die Wohnfläche des Gebäudes“. Deshalb erlauben auch die Ergebnisse im Energieausweis „keine Rückschlüsse auf den tatsächlichen Energieverbrauch“ (die Zitate stammen aus dem Kleingedruckten des Energieausweises). Der maßgebliche Kennwert „Energieverbrauch pro Quadratmeter“ fällt dann deutlich kleiner aus als er in Wirklichkeit ist. Das erinnert an den Diesel-Abgasskandal. Wenn es um Klimaschutz
geht, wird seitens der Dokumentationen eben oft getrickst.

Was ist ein Effizienzhaus 55?

Wenn der Jahres-Primärenergiebedarf eines Neubaus oder ­eines sanierten Bestandsgebäudes rechnerisch kleiner oder gleich 55 Prozent des Energiebedarfs des „Referenzgebäudes nach Gebäudeenergiegesetz (GEG)“ ist, spricht man von einem „Effizienzhaus 55“. Die Werte 100, 85, 70 und 40 gelten entsprechend.

  • Gut zu wissen 1: Das Gebäude, das neu gebaut oder saniert wird, wird zunächst rechnerisch mit Vorgaben des GEG ausgestattet. So erhält man das Referenzgebäude. In einem zweiten Rechengang werden die tatsächlichen Werte, die man später auch umsetzt, verwendet. Da das GEG sehr „schlechte“ Werte vorgibt, kann man beispielsweise das ­„Effizienzhaus 70“ sehr einfach erreichen. Beispiele: Der Fenster-U-Wert im Referenzgebäude beträgt 1,3 W/(m2K) – so schlechte Fenster gibt es heute nirgends mehr zu kaufen. Fassaden-Ziel-U-Wert im Referenzgebäude 0,28 W/(m2K) – das erreicht man mit einer 6 oder 8 Zentimeter dicken Dämmung. Besser: Fassade 16 Zentimeter dick dämmen.
  • Gut zu wissen 2: Die neue BEG sieht eine Erhöhung des Zuschusses um 5 Prozent der Investition vor, wenn das Gebäude nach der Sanierung zu mindestens
    55 Prozent mit erneuerbaren Energien beheizt wird. Dieser Förderstandard bekommt dann den Zusatz „EE“. Beispiel: „Effizienzhaus 70 EE“.
  • Gut zu wissen 3: Wer seine Heizung vollständig oder teilweise mit Heizöl betreibt, erreicht keinen Effizienzhaus-Standard.

Effizienzhaus oder Einzelmaßnahmen? Wann entscheidet man sich für was?

Man sollte ein Gebäude immer in seiner Gesamtheit betrachten. Insofern ist eine vollständige Sanierung empfehlenswert, zumal dort die Zuschüsse auch höher ausfallen.
Beispiel: Es sollen bei einem Einfamilienhaus drei energetische Einzelmaßnahmen für 50.000 Euro durchgeführt werden (z.B. Dachdämmung, neue Heizung, Kellerdeckendämmung). Nach Abzug aller Zuschüsse bezahlt der Hauseigentümer noch 34.000 Euro selbst. Die Fassade wird nur angestrichen (8.000 Euro, nicht förderfähig). Eigene Investition ohne Fassadendämmung: 42.000 Euro. Bei einer Sanierung zum „Effizienzhaus 70 EE“ kommt die Dämmung der Fassade dazu (plus weitere 12.000 Euro Investition). Von der Gesamtinvestition in Höhe von dann 70.000 Euro erstattet der Fördergeber jetzt 40 %: Es gibt 28.000 Euro als Zuschuss, der Hauseigentümer bezahlt danach ebenfalls 42.000 Euro. Hinzu kommen höhere Energieeinsparungen. Das bessere Haus fürs selbe Geld.

Wann werden die Zuschüsse ausgezahlt?

Sobald die Sanierung abgeschlossen ist, stellt der Energieberater auf Grundlage der Handwerkerrechnungen eine „Bestätigung nach Durchführung“ aus. Die KfW-Förderbank zahlt dann innerhalb von ein bis zwei Monaten den Investitionszuschuss aus (Effizienzhausförderung). Bei der Kreditvariante wird der Zuschuss nach der „Bestätigung nach Durchführung“ vom gewährten Darlehensbetrag abgezogen (Einzelmaßnahme/Effizienzhaus).

Gibt es pauschale Kennwerte, die man bei einer ­Sanierung beachten sollte?

Ja. Wenn ein Haus älter Baujahr 1985 und noch weitgehend im Originalzustand ist, dann lohnt sich eine Sanierung zum „Effizienzhaus 70 EE“ in „99,9%“ der Fälle nach dem Code „24.16.10.3.S“. Das bedeutet: Dachdämmung 24 cm, Fassadendämmung 16 cm, Kellerwand 10 cm, 3fach-Verglasung. Mit der Heizung die Sonne anzapfen.

Text: Dipl.-Ing. Ronald Meyer
Bild: Felix Scholz

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