Schäden durch Hochwasser und Starkregen – Kommt die verpflichtende Elementarschadenversicherung?

0

Nach den massiven Unwetterkatastrophen hat sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) bei der Landespressekonferenz in Stuttgart für eine bundesweit verpflichtende Gebäudeversicherung gegen Elementarschäden ausgesprochen. Er hat bereits angekündigt, dieses Thema auch in die nächste Ministerpräsidentenkonferenz im Herbst einbringen zu wollen.

Bis zum Jahr 1994 gab es in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz sowie in Teilen von Hessen und Niedersachsen eine Pflicht zum Abschluss einer Gebäudeversicherung. Der Versicherungsschutz deckte auch hier nicht sämtliche Elementarschäden ab, sondern bot lediglich Schutz gegen das Risiko Feuer. Ausnahmen bildeten Hamburg und Baden-Württemberg, bei denen auch Wasserschäden mitversichert waren. Infolge der Liberalisierung des Versicherungsmarktes und der Einführung des EU-weiten Binnenmarktes wurde die verpflichtende Wohngebäudeversicherung wieder fallengelassen. Lediglich bei Immobilienfinanzierungen wird sie von den Banken noch verlangt.

Mitte 2013 kochte das Thema nach dem verheerenden Hochwasser im Süden und Osten der Republik wieder auf, verschwand dann aber in der Versenkung. Mit seinem erneuten Vorstoß befindet sich Kretschmann auf einer Linie mit allen Justizministern der Länder. Auch die wollen wieder eine Pflicht zur Versicherung gegen Elementarschäden einführen. Bislang scheiterten diese Versuche immer an versicherungs- und verfassungsrechtlichen Bedenken. Die werden angesichts der immer bedrohlicheren Auswüchse des Klimawandels aber kleiner, zumal Gebäudeeigentümer in Hochrisikogebieten oftmals gar keine oder nur eine sehr teure Versicherung finden.

Ein Anreiz für eine solche Versicherung wäre die steuerliche Abzugsfähigkeit von Beiträgen für privat genutzte Immobilien. Bei vermieteten Immobilien sind „Kosten der Versicherung des Gebäudes gegen Feuer-, Sturm-, Wasser- sowie sonstige Elementarschäden“ nach § 2 Nr. 13 der Betriebskostenverordnung umlagefähig. Aber auch hier gilt das Kleingedruckte im Versicherungsvertrag.

Anmerkung: Man kann es nicht verstehen, aber es gibt tatsächlich Eigentümer, die ihre Immobilie nicht versichert haben. Oder manche ohne Einschluss von Elementarschäden. Die obligatorisch verpflichtende Gebäudeversicherung war in Baden (analog auch in Württemberg) bis 1994 eine sehr sinnvolle Einrichtung. Durch den „Zwang“ war das ein Massengeschäft mit extrem günstigen Tarifen. Größter Vorteil: Jeder war im Notfall finanziell abgesichert.   (Red.)

Text: Der Immobilienbrief, Bild: GordonGrand / stock.adobe.com

Kommentare sind geschlossen.