Schäden oder Gebrauchsspuren?

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Frage:

Eine langjährige Mieterin wird nun bald in eine Seniorenresidenz umziehen. Natürlich wollen wir das Mietverhältnis friedlich, aber auch rechtmäßig abwickeln. Bei einem kürzlichen Besuch konnte ich bemerken, dass der Laminat-boden Beschädigungen, und der teilweise ausgelegte Teppichboden, Verfärbungen aufweisen. Beides wurde vor ungefähr 15 Jahren neu verlegt. Da ich die Wohnung ja wieder vermieten will, stellt sich die Frage, ob ich verlangen kann, dass die Mieterin wieder alles reparieren lässt. Können Sie mir dazu etwas raten?

Antwort:

Endgültig können wir Ihre Frage nicht ohne Kenntnis des genauen Zustandes der Böden beantworten. Während der Mietzeit entstehen durch vertragsgemäßen Gebrauch auch entsprechende Gebrauchsspuren, für die in aller Regel kein Schadensersatzanspruch entsteht. Etwas anderes sind Beschädigungen, die durch normalen Gebrauch nicht abgedeckt sind. Was nun bei Ihnen vorliegt, können wir nicht beurteilen. Wenn Sie mit der Mieterin nicht einig werden, bleibt nur eine Feststellung durch einen Sachverständigen. Je nach Ergebnis können die Kosten dafür aber auch bei Ihnen verbleiben. Als Hilfestellung nennen wir Ihnen ein Urteil des Landgerichts Wiesbaden, nach dem ein Mieter nach 14 Jahren nicht für Gebrauchsspuren an Bodenbelägen haftet (Beschluss vom 28.5.2019, Az. 3 S 31/19). Sollte der Zustand Ihrer Böden doch als Beschädigung eingeordnet werden, so auch das Gericht, würde ein Schadensersatzanspruch des Vermieters durch den dann üblichen Abzug „neu für alt“ nahezu vollständig ausgeschlossen. Das heißt Sie haben zwar berechtigte Ansprüche, bekommen aber praktisch nichts. Fragen Sie Ihren Rechtsanwalt, ob ein Rechtsstreit Aussicht auf Erfolg hat.

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