Schwerwiegende Folgen für steuerbefreites Immobilienerbe – Gericht legt Ausnahmeklausel streng aus

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Das Ehepaar hatte lange im eigenen Haus gewohnt, jedem Partner gehörte eine Hälfte. Als der Ehemann 2017 starb, erbte die Ehefrau dessen Hausanteil. Für ein Eigenheim fällt keine Erbschaftsteuer an, wenn es der Erbe weiterhin selbst bewohnt. Wird es innerhalb von zehn Jahren verkauft, entfällt jedoch die Steuerbefreiung.

Die Witwe verkaufte das Einfamilienhaus Ende 2018 und zog in eine Eigentumswohnung um. Daraufhin verlangte das Finanzamt nachträglich Erbschaftsteuer für die geerbte Haushälfte. Dagegen wehrte sich die Frau: Sie habe das Eigenheim nicht mehr selbst nutzen können, weil sie nach dem Tod ihres Mannes unter Depressionen und Angstzuständen gelitten habe. 

Das Finanzgericht räumte ein, der Tod des Ehemannes im Haus und die dadurch ausgelöste Depression hätten die Frau gewiss sehr belastet. Im rechtlichen Sinn stelle das trotzdem keinen „zwingenden Grund“ dar, die eigene Immobilie aufzugeben und umzuziehen. Die Ausnahmeklausel im Gesetz werde so streng ausgelegt, weil die Steuerbefreiung für Familienheime die Grundeigentümer – verglichen mit „Inhabern anderer Vermögenswerte“ – ohnehin bevorzuge.        

Bei einem Verkauf des Familienheims entfalle die Steuerbefreiung nur dann nicht, wenn für den Verkauf zwingende Gründe vorlägen (FG Münster vom 10.12.2020 – 3 K 420/20 Erb, Pressemitteilung unter http://bit.ly/3AXsSQ1). Dem Erben müsse es absolut unmöglich sein – z.B. wegen Pflegebedürftigkeit – im Eigenheim selbstständig einen Haushalt zu führen.

Text: onlineurteile.de
Bild: fizkes©AdobeStock

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