SELBSTGEZÜCHTETE BLÜTENPRACHT

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An der Veredlungsstelle sind Rosen empfindlich

Die meisten Rosenpflanzen sind Zweifachwesen, bestehend aus Edelsorte, die Triebe, Blätter und Blüten liefert, und der Unterlage mit dem Wurzelwerk. Der Übergang von der Unterlage zur Edelsorte, die Veredlungsstelle, befindet sich im Bereich des Wurzelhalses. Hier wurde seinerzeit der „wilden“ Unterlagenpflanze eine Knospe (Auge) der Edelsorte eingesetzt. Damit die Unterlage nicht mit der Edelsorte ins Gehege kommt, werden deren Triebe, nachdem das Edelauge angewachsen und ausgetrieben ist, bis zum Wurzelhals entfernt. Es bleiben von der Unterlage nur eine deutlich sichtbare wulstartige Verdickung und die Wurzeln.

Warum wird veredelt? Erstens, um von einer Edelsorte schnell viele Nachkommen zu ziehen – man braucht ja jeweils nur eine Knospe für eine neue Pflanze, bei Stecklingsvermehrung nur Triebteile. Zweitens entwickeln sich veredelte Pflanzen gleichmäßiger, sind kalkulierbarer. Ein eventuell schwächeres Wurzelsystem kann durch die Unterlage ausgeglichen werden.

Veredelte Rosen müssen tief gepflanzt werden. Darauf ist besonders bei Containerpflanzen zu achten, weil gewöhnlich bei ihnen die Veredlungsstelle gut sichtbar über der Substratoberfläche steht. Also nicht so pflanzen, wie die Rose im Container stand, sondern so dass die Veredlungsstelle am neuen Platz mindestens 5 cm tief in die Erde kommt.

Die Veredlungsstelle braucht den Schutz der Erde, weil sie empfindlich reagiert, vor allem auf Winterfröste. Aus diesem Grund sollten veredelte Rosen im Spät­herbst immer angehäufelt werden, zumal sich erfahrungsgemäß mit der Zeit die Veredlungsstellen hocharbeiten, sie bei schon länger stehenden Rosen oft aus der Erde ragen. Dann muss unbedingt mit Erde aufgefüllt werden.

Unterlagen leben also als Wurzelwerk weiter, mitunter sehr nachdrücklich, indem sie wie anfangs Triebe bilden, die über der Erde den Trieben der Edelsorte Konkurrenz machen. Solche Triebe müssen entfernt werden. Aber wie erkennt man sie? Edelsorten haben gewöhnlich fünffiedrige Blätter, Unterlagen siebenfiedrige. Man schneidet Wildtriebe nicht oberirdisch ab, sondern legt den Wurzelhals frei und reißt den Wildtrieb an seiner Entstehungsstelle ab. Andernfalls käme er wieder.

Es gibt auch Rosen mit eigenen Wurzeln, die nicht veredelt wurden, also „wurzelecht“ sind. Früher war dies weitaus üblicher und auch heute werden Strauchrosen, Kletterrosen und Zwergrosen oft wurzelecht gezogen. Das hat Vorteile, da sich solche Rosen, wenn sie oberirdisch geschädigt sind, wieder aus den Wurzeln erneuern können. Sie brauchen nicht angehäufelt zu werden und bilden keine Wildtriebe.   

Text und Foto: Ilse Jaehner

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