Umbau einer Scheune zum Atelier – Mehr Licht im Denkmal

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Historische, nicht mehr für ihren ursprünglichen Zweck genutzte Ställe und Scheunen stellen in ländlichen Regionen nicht nur eine Raumreserve dar, sie bieten auch Chancen für einen Umbau und Umnutzungen mit modernen Funktionen in einem ganz speziellen Ambiente des Rustikalen und Ursprünglichen. Gerade Studios und Ateliers, aber auch Büros oder Wohnungen entfalten in den „alte Gemäuern“ einen besonderen, in Neubauten so kaum zu erreichenden Charme.

Völlig neu zu konzipieren ist jedoch in der Regel die Versorgung der Innenräume mit natürlichem Tageslicht, denn in der vorhandenen Bausubstanz gibt es oft nur wenige und noch dazu sehr kleine Fenster. Eine innovative Lösung für die Belichtung hat ein Architekturbüro aus Stuttgart beim Umbau einer denkmalgeschützten Scheune in Waiblingen verwirklicht.

Umbau mit Licht von oben für die unteren Räume

Die Scheune aus dem 17. Jahrhundert stand lange leer und war bei Beginn der Arbeiten bereits extrem stark geschädigt. Es dürfte vor allem die Bauweise der Wände aus Bruchsteinmauerwerk statt aus Holz gewesen sein, die den Totalverlust des aus einem Erdgeschoss und im Hauptteil auch aus einem Dachgeschoss mit Satteldach bestehenden Baukörpers verhindert hat.

Um bei der Sanierung die Eingriffe in den historischen Bestand so gering wie möglich zu halten, wurden in den Wänden des Erdgeschosses keine Fenster vorgesehen, sondern lediglich das ursprüngliche Scheunentor sowie eine ebenfalls schon vorhandene Nebentür durch Glastüren ersetzt. Dafür integrierten die Architekten in das ohnehin komplett zu erneuernde Dach insgesamt neun Dachfenster. Drei von ihnen schaffen eine helle und freundliche Atmosphäre im eingeschossigen Anbau, der heute eine Küche enthält. Um ein bequemes Öffnen zu ermöglichen, wurde eines dieser Fenster mit einem per Funk zu bedienenden elektrischen Antrieb ausgerüstet. Dieses Elektrofenster erhöht aber nicht nur den Bedienkomfort, sondern kann auch für die automatische Lüftung verwendet werden. Über die Funksteuerung lassen sich bestimmte Zeiten für die Fensteröffnung festlegen, sodass ein planmäßiges Lüften auch bei Abwesenheit der Bewohner sichergestellt ist. Zur Grundausstattung gehörende Regensensoren schließen das Fenster selbsttätig bei aufkommendem Niederschlag oder verhindern das Öffnen bei Regen.

Sechs weitere Dachfenster sind auf einer Seite des Satteldachs angeordnet und sorgen für einen sehr hellen, lichttechnisch überhaupt nicht mehr an einen Scheunenboden erinnernden Raum. Damit dieser Lichtüberschuss tagsüber auch dem Erdgeschoss zugutekommt, endet der neu eingezogene Dielenfußboden der oberen Etage etwa 1 m vor der Traufwand. Durch den offen bleibenden, mit einem Glasgeländer gesicherten Deckenstreifen dringt das Tageslicht direkt von den Dachfenstern in die unteren Räume. Dadurch entstehen dort gut ausgeleuchtete Atelier- und Ausstellungsbereiche, ohne dass zusätzliche Fenster in die historischen Wände gebrochen werden mussten. Eine ungewöhnliche Lösung, mit der die Bauherren unter anderem auch deshalb sehr zufrieden sind, weil große ungestörte Wandflächen für das Aufhängen bzw. Aufstellen der Kunstwerke erhalten werden konnten. Der offene Deckenstreifen lässt im Obergeschoss einen spannenden galerieartigen Raum entstehen.

Originalgetreue Restaurierung

Mit dem Umbau konnte der Scheune nicht nur eine komplett neue Funktion gegeben, sondern – ganz im Sinne der Denkmalpflege – auch ein originales Zeugnis früherer Baukunst vor dem Verfall bewahrt werden. Am Beginn der Arbeiten standen jedoch zunächst ein einsturzgefährdeter Dachstuhl, morsches Fachwerk und feuchte Außenwände. Um die Standfestigkeit wieder zu gewährleisten, wurden als erste Sanierungsmaßnahme die durch Feuchtigkeit zerstörten Hölzer des Dachtragwerks und des Holzfachwerks ausgewechselt oder verstärkt. Sowohl die Bauherren als auch die Architekten und die Zimmerleute waren sich dabei einig, dass größter Wert auf eine originalgetreue Restaurierung gelegt werden sollte. Neue Balken oder Verstärkungen wurden wie die historische Konstruktion aus Fichte gefertigt und mit traditionellen Techniken der Holzverbindung, etwa durch Überblattungen, Zapfen oder Holznägel, in den Bestand eingefügt. Die Ausfachung der Wände mit Lehmsteinen und das Auftragen von Lehmputz im Innenbereich sorgen nicht nur für ein natürliches Raumklima, sondern sind auch Bestandteil der denkmalgerechten Sanierung. Die alten Bruchsteinwände blieben innen ohne Putz. Ihre Außenseite war jedoch historisch verputzt, sodass hier 6 cm dicker Wärmedämmputz die traditionelle Ansicht wiederherstellt, sie aber mit einer zeitgemäßen energetischen Verbesserung kombiniert.

Dachstuhl mit Kontersparren verstärkt

Auch der Neuaufbau des Dachs ist eine gelungene Synthese aus überlieferten Techniken und moderner Funktionalität. Ausgangspunkt waren hier die vorhandenen bzw. ergänzten oder erneuerten Sparren, die als Zeugen der ursprünglichen Bauweise sichtbar bleiben sollten. Vor allem die Balkenköpfe der Zwischendecke und die Fußpunkte der Sparren benötigten umfangreiche Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen. Doch auch damit konnte keine ausreichende Sicherheit für die Tragfähigkeit der historischen Holzkonstruktion hergestellt werden. Man hätte die Sparren nun sichtbar aufdoppeln können, damit aber auch die ursprüngliche Ansicht der Dachunterseite stark verfälscht und in ihren Proportionen verändert. Deshalb kamen nicht sichtbare Kontersparren zum Einsatz. Auf den alten Sparren wurden zunächst eine Brettschalung und die Dampfbremse aufgebracht. Erst darüber befinden sich die Kontersparren 10/16 cm, die von außen mit Vollgewindeschrauben durch die Schalung hindurch in ihren historischen Pendants befestigt sind. Von außen sind die neu entstandenen Sparrenfelder mit einer diffusionsoffenen Wand- und Dachplatte (DWD) geschlossen, wodurch der Hohlraum für eine Zellulose-Einblasdämmung entstand. Den Abschluss bildet eine Falzziegeldeckung auf Konterlattung und Lattung. Wie das Fachwerk im Untergeschoss erhielten auch alle inneren Dachbauteile eine Behandlung mit hell pigmentiertem Öl, was den Kontrast zwischen alten und den neuen Hölzern abmildert und zusammen mit den weiß verputzten Gefachen der Wände eine ruhigere, gleichmäßig helle Oberfläche zum Platzieren der Kunstwerke schafft.

Quelle: Velux
Fotos: COAST office architecture/Velux Deutschland GmbH; Velux / David Franck

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