Urban Gardening – Platz ist in der kleinsten Lücke

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In Zeiten dichtbebauter Innenstädte und einer zunehmend industriellen Lebensmittelproduktion sehnen sich immer Menschen nach Obst und Gemüse, das nicht aus dem Treibhaus stammt und schon Tausende von Kilometern hinter sich hat. Sie möchten ihr eigenes Essen anbauen und sich selbst versorgen. Schön wäre auch, wenn ihre Kinder wüssten, dass Möhren in der Erde und nicht in Konservendosen wachsen. Was anfangs als kleiner Spleen von Idealisten galt, hat sich mittlerweile zu einem Trend gemausert. Da für viele aus beruflichen Gründen ein Umzug aufs Land nicht infrage kommt, haben sie den Spieß einfach umgedreht. Urban Gardening heißt die kleine Revolution, die mittlerweile in vielen Städten zu beobachten ist. Ziel ist einerseits die Verschönerung des Stadtbildes, andererseits soll eine neue, ökologische Lebensweise gefördert werden.

Grün statt Grau beim Urban Gardening

Auf Brachen, Parkhausdächern und Bürogebäuden entstehen mobile Gärten, um mitten in der Stadt Obst und Gemüse anzubauen. In den „Prinzessinnengärten“ am Moritzplatz in Berlin wachsen die Nutzpflanzen in recycelten Bäckerkisten und Reis-Säcken, die auf dem Betonboden gestapelt sind. Falls die Stadt den immer nur für ein Jahr abgeschlossenen Pachtvertrag nicht verlängern sollte, können die Beete an einen anderen Standort verlegt werden.Dabei geht es nicht nur darum, ein wenig Grün in die Stadt zu bringen. Eine brachliegende Fläche in einen blühenden Garten zu verwandeln, ist nebenbei auch ein Gemeinschaftsprojekt, an dem sich Menschen unterschiedlichster Kulturen beteiligen können.

Urbane Gartenprojekte, die das Stadtbild verschönern und zu einer nachhaltigen Lebensweise anregen wollen, sind auch bei uns in Deutschland auf dem Vormarsch. Drei Projekte für mehr Natur in der Stadt:

Das Gartendeck umfasst rund 1.100 m² Dachfläche und befindet sich mitten im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Im Vordergrund steht die Wiederbelebung gemeinschaftlicher Strukturen: Hier lernen sich Nachbarn kennen, während sie gemeinsam gärtnern und ihren Stadtteil mitgestalten. In Bäckerkisten gedeihen verschiedenste Pflanzensorten und auch Bienenvölker fanden hier eine Heimat. In unregelmäßigen Abständen können sich Interessierte in Workshops über Kräuter, Kürbissorten und wesensgemäße Bienenhaltung informieren.
http://www.gartendeck.de/

Knapp 6.000 m² umfasst der Prinzessinnengarten am Moritzplatz in Berlin und steht während der Saison von April bis Oktober allen Besuchern offen. Gegärtnert wird in Kisten und Reissäcken, denn dadurch bleibt der Garten mobil. Außerdem kann so auch auf versiegelten Flächen und frei von möglichen Schadstoffen in der Erde Gemüse angebaut werden. Im Rahmen regelmäßiger Führungen kann man mehr über den Garten, ökologischen Anbau, biologische Vielfalt und nachhaltige Stadtentwicklung erfahren.
http://prinzessinnengarten.net

Der NeuLand Gemeinschaftsgarten möchte ein Stück Landleben nach Köln bringen, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Generationen zusammenbringen sowie die Integration von Behinderten ermöglichen. Gepflanzt wird auch hier in mobilen Kästen, Kübeln und Säcken, damit der Garten weiterziehen kann, falls das Areal anderweitig bebaut wird. Ob Tomaten, Feldsalat oder Erdbeeren – hier können Interessierte lernen, wie Anbau und Selbstversorgung auch mitten in der Stadt funktionieren. Versierte Gartennutzerinnen und -nutzer geben ihr Wissen in Workshops an die Besucher weiter.
http://www.neuland-koeln.de/

Lösungen für den ungenutzten Hinterhof

Auch wer die ungenutzten Ecken eines kleinen Hinterhofs hinter dem Haus aufwerten möchte, kann auf dieses Konzept zurückgreifen. Denn an schattigen Plätzchen gedeihen viele Sorten, die eher genügsam sind und wenig Sonnenlicht benötigen. Hierzu gehören zum Beispiel Mangold und Radieschen, Rhabarber, Kräuter wie Dill und Petersilie, aber auch einige Pflücksalate. Sie wachsen in Kübeln auf Treppenstufen oder kleinen Tischchen aus Paletten. Eine ausrangierte Leiter schafft zusätzlichen Platz und auch an Hauswänden können die Töpfe an Haken oder auf kleinen Pflanzregalen befestigt werden. Für ein bisschen Farbe sorgen Funkien, Anemonen oder Hortensien mit ihren großen Dolden.

Ideen für den kleinen Balkon

Ein Balkon, und sei er noch so klein, bietet ebenfalls die Gelegenheit, sich eine grüne Oase zu schaffen. Vorteil: Man erntet sozusagen von der Hand in den Mund – frischer geht es nicht. In Pflanzkübeln, Blumenkästen und HangingBaskets können nicht nur Blumen, sondern auch Tomaten, Kräuter und Erdbeerengezogen werden. Und mit einem kleinen Sitzplatz kann man sein grünes Fleckchen mit Aussicht besonders genießen. Wer sich für die Anzucht von Obst und Gemüse auf dem Balkon entscheidet, sollte aber bedenken, dass die Kübel immer ausreichend gewässert werden müssen. Dies gilt vor allem, wenn sie viel Sonnenlicht und Wind ausgesetzt sind. Je größer der Topf, desto größer die Menge an Erde, die die Pflanzen dauerhaft mit Wasser und Nährstoffen versorgen kann.

Text: Katrin Täubig
Fotos: Marco Clausen / Prinzessinnengarten; Gardena

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