Wärmedämmung im Materialvergleich – Welcher Werkstoff für mein Haus?

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Durch eine Wärmedämmung kann der Wärmeverlust eines Hauses wesentlich verringert werden, so dass weniger Heizenergie aufgewendet werden muss, was wiederum bares Geld spart. Um das richtige Material für die Fassadendämmung zu ermitteln, gilt es, viele Faktoren zu berücksichtigen. So kommt es zum Beispiel darauf an, wie groß der finanzielle Spielraum für die Modernisierung ist, wie die gewünschte Energieeinsparung beziffert wird, welche Werkstoffe zum Haus passen und ob man spezielle Wünsche in Bezug auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz hat. Um unterschiedliche Dämmmaterialien miteinander vergleichen zu können, wird ihre Wärmeleitfähigkeit verglichen.Man berechnet, wie viel Watt (W) durch einen Meter (m) Materialdicke verloren geht, wenn der Temperaturunterschied der beiden Oberflächen ein Kelvin beträgt (entspricht 1° C) beträgt. Je kleiner die Wärmeleitfähigkeit (W/mK) ausfällt, desto besser ist die Dämmeigenschaft zu bewerten.

Verschiedene Dämmstoffgruppen

Aufgrund des jeweiligen Rohstoffs werden Dämmstoffe in zwei Hauptgruppen unterteilt – man spricht von organischem und anorganischem Dämmmaterial. Hinzu kommt in jeder Gruppe eine Klassifizierung nach natürlichem und synthetischem Ursprung. Je nach Struktur und Beschaffenheitunterscheidet man Faserdämmstoffe, Schäume und Granulate.

Organische Dämmstoffe

Foto: Lokilech / Wikimedia CommonsDurch das Beifügen von Stärke oder Polyesterfasern werden aus den Fasern der Flachspflanze Flachs-Dämmplatten bzw. -Dämmmatten hergestellt.Durch seinen hohen Anteil an Zellulose ist der Dämmstoff resistent gegen Insektenbefall, Schimmel und Fäulnis.Zu den weiteren Vorteilen zählen seine gutenDämmeigenschaften, seine energiearme Erzeugung und die unbedenkliche Entsorgung. Als nachteilig ist seine Brennbarkeit anzusehen.
Foto: CapatectHanffasern werden mit Hilfe von Stärke oder Stützfasern zu einem Vlies gebündelt. Zu den größten Vorteilen von Hanf gehören eine hohe Feuchtigkeitsbeständigkeit, gute Schallschutzeigenschaften und dieResistenz gegenüber Schimmel und Schädlingen.Ebenfalls positiv zu beurteilen: seine Dämmeigenschaft und die energiearme Herstellung.Trotz des Zusatzes verschiedener Salze als Brandschutzmittel ist Hanf als normal entflammbar einzustufen.
Foto: tdx/IBU/PavatexHolzfaser-Dämmplatten entstehen aus zerfasertem (Alt-)Holz, das mit Wasser zu einem Brei vermengt und zu Platten gepresst wird. Das holzeigene Lignin macht Bindemittel überflüssig. Positiv sind die guten Schallschutzeigenschaften zu werten sowie die Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen. Außerdem können Holzfasern mit wenig Energieaufwand produziert werden und sind einfach zu entsorgen. Negativ ins Gewicht fällt ihre Brennbarkeit.
Foto: Florian Gerlach (Nawaro); improved by WinfriedSchneider / Wikimedia CommonsHolzwolle-Dämmplatten entstehen durch die Verbindung feiner Holzfasern mit Magnesit. Holzwolle gilt als resistent gegenüber Ungeziefer, Verrottung und Pilzbefall. Zu den weiteren Vorteilen gehören die gute Schallschutzwirkung, die energieschonende Produktion und das unbedenkliche Recycling. Nachteilig wirkt sich die relativ geringe Dämmwirkung aus. Durch die ständige Optimierung des Dämmstoffes wird er als nichtbrennbar mit Anteilen von brennbaren Baustoffen eingestuft.
Foto: Homatherm GmbHZellulose-Dämmplatten werden aus Altpapier gewonnen, dessen Fasern mit Wasserdampf zu Platten gepresst und mit Salzen als Brandschutz versehen werden. Zellulose steht für gute Dämmeigenschaften, ist resistent gegenüber Schimmel und Ungeziefer und überzeugt mit einem sehr guten Schallschutz. Die Herstellung erfolgt mit einem geringen Energieaufwand. Durch den Verzicht auf Chemikalien können sie problemlos entsorgt werden. In Bezug auf ihre Brennbarkeit gelten sie als normal entflammbar.

Anorganische Dämmstoffe

Foto: Leca67 / Wikimedia CommonsBlähtonkugeln entstehen durch das starke Erhitzen von Tongranulat. Sie sind besonders für die Dämmung von Hohlräumen in Wänden, Dächern und Fußböden geeignet. Besonders vorteilhaft: Blähton ist nicht brennbar und zudem äußerst feuchtigkeits- und frostresistent. Allerdings steht diesen Eigenschaften eine relativ hohe Wärmeleitfähigkeit gegenüber, weshalb Blähtonhäufig als ergänzender Dämmstoff verwendet wird.
Foto: Calsitherm KlimaplattenMit Platten aus Kalziumsilikat (Kieselsäure) werden in erster Linie Innenwände gedämmt, denn das Gemisch aus Kalk, Sand und Porenbildnern kann sehr gut Feuchtigkeit aufnehmen, zwischenspeichern und wieder abgeben. Zudem zeichnet sich das Material durch einen guten Brandschutz aus. Trotz seiner eher niedrigen Dämmeigenschaften lohnt sich sein Einsatz zur Vorbeugung von Schimmelbildung oder wenn eine Außen- oder Kerndämmung nicht möglich ist.
Foto: FMI Fachverband Mineralwolleindustrie e. V.Zu den Mineralwolle-Dämmstoffen zählen Stein- und Glaswolle. Steinwolle wird beispielsweise aus Basalt oder Dolomit gewonnen; Glaswolle aus Altglas, Sand, Soda und Kalk. Je nach Herstellungsverfahren entstehen Vliese oder Platten. Als vorteilhaft sind die guten Dämmeigenschaften von Mineralwolle zu werten. Das Material ist nicht brennbar, es gilt als wasserabweisend und alterungsbeständig. Nachteilig wirken sich der hohe Energieaufwand bei der Herstellung sowie die aufwendige Entsorgung aus. Außerdem verliert Mineralwolle bei Feuchtebelastung einen Großteil ihrer Dämmwirkung.
Foto: djd / QcarePolystyrol ist ein auf Erdölbasis hergestellter Kunststoff, der in vielen Bereichen unseres täglichen Lebens zum Einsatz kommt. Man unterscheidet expandiertes Polystyrol (EPS) und extrudiertes Polystyrol (XPS). EPS-Dämmstoffe sind für Decken-, Wand- und Dachbereiche geeignet sowie als Trittschalldämmung. Ihr umgangssprachlicher Name lautet Styropor. XPS ist für Bereiche geeignet, die einer hohen Feuchtebeanspruchung und großen mechanischen Belastungen ausgesetzt sind, zum Beispiel Balkone, Sockel und Kelleraußenwände. Als Vorteile sind die gute Wärmedämmung, die hohe Beständigkeit gegenüber Feuchtigkeit und die Unverrottbarkeit des Materials zu nennen. Dem gegenüber steht ein hoher Energieaufwand für die Herstellung, bei der klimaschädliche Emissionen frei werden. Und auch die Entsorgung ist teuer und aufwendig. Weiterer Nachteil: Polystyrol ist nicht UV-beständig und im Vergleich zu anderen Dämmstoffen relativ diffusionsdicht.
Foto: FK1954 / Wikimedia CommonsSchaumglas wird aus Recyclingglas oder Quarzsand hergestellt. Der Dämmstoff punktet mit Vorteilen wie Wasserfestigkeit, Druckfestigkeit, Verrottungsbeständigkeit und Feuerfestigkeit. Er ist außerdem resistent gegenüber Frost und Schädlingen und weist sehr gute Dämmeigenschaften auf. Seine Entsorgung ist unproblematisch. Nachteil: Die Produktion von Schaumglas ist sehr energieintensiv.

Vier gute Gründe für die Wärmedämmung – und was oft verschwiegen wird

Energiebedarf und -kosten senken
Je weniger Wärme über die Fassade, den Keller oder das Dach verloren geht, desto weniger muss das Gebäude insgesamt geheizt werden. Gerade bei steigenden Energiepreisen ein schlagkräftiges Argument für die eigene Haushaltskasse.

Immobilienwert steigern
Bei Verkauf und Vermietung einer Immobilie ist seit Mai 2014 ein Energieausweis Pflicht, der die energetische Bewertung eines Gebäudes angibt. Je besser die Werte, umso höher werden Kauf- und Mietpreis ausfallen, die sich am Markt durchsetzen lassen.

Wohnklima verbessern
Dank einer guten Wärmedämmung sind kalte Innenwände im wahrsten Wortsinn Schnee von gestern. Durch die geringeren Temperaturunterschiede zwischen Raumluft und Wandflächen verbessern sich Raumklima und Wohnkomfort.

Klima schützen
Ein reduzierter Energiebedarf zieht auch weniger CO2-Emissionen nach sich. So kann jeder Hausbesitzer auch im Kleinen einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz leisten und wichtige Ressourcen schonen.

Achtung: Mehrkosten
Beim Dämmen einer Fassade fallen meist noch erhebliche Zusatzkosten für Nebenarbeiten an: Beispielsweise die Briefkastenanlage, die Klingel- bzw. Gegensprechanlage und Hausschilder müssen versetzt werden. Wasseranschlüsse und Regenrohre müssen verlegt werden, manchmal sind Markisen zu versetzen und teilweise Dachvorsprünge zu verbreitern. Fast immer sind auch die Fensterbänke zu kurz und müssen gegen neue, größere ausgetauscht werden. Alle diese oft nicht bedachten Nebenarbeiten verursachen Mehrkosten von 10 bis 15 Prozent.

Text: Katrin Täubig

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