Luftige Erweiterung von Wohnraum in Berlin

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Eine anspruchsvolle Aufstockung in Holzsystembauweise – die Sanierung eines ganzen Straßenzuges – wird zum positiven Aushängeschild einer Berliner Wohnungsgenossenschaft. Das Unternehmen saniert bei einem laufenden Bauvorhaben im Stadtteil Lichterfelde vorbildlich unter sozialen und ökologischen Gesichtspunkten und schafft zusätzlich barrierearmen Wohnraum. Allen Mietern wird es ermöglicht, in ihren bisherigen Räumlichkeiten zu bleiben.

Seit Anfang 2014 wurden in einem ersten Schritt vier Häuser der Schwelmer Straße saniert – 86 Mietparteien sind bereits wieder in ihre Wohnungen eingezogen und genießen ihr modernisiertes Zuhause. Nach und nach werden nun alle Gebäude durch vorgefertigte Holzmodule aufgestockt, um neue, familienfreundliche Wohnungen zu schaffen. Insgesamt wurden zwischen 2014 und 2016 bereits 180 Wohnungen komplett saniert, 26 Modernisierungen sind noch offen.

Verträgliche Lösung für die Bewohner für den neuen Wohnraum

Die über die Jahre stark gestiegenen Instandhaltungskosten waren für die Eigentümer – die Berliner Genossenschaft Märkische Scholle – und deren Mieter inzwischen nicht mehr vertretbar. Durch die hohe Auslastung der Wohnungen konnten Sanierungen der Bäder, Stränge und Elektrik nur sehr sporadisch, beispielsweise bei Auszug eines Mieters, durchgeführt werden. Rohrbrüche, hohe Ausfälle der Elektrik durch Überlastung und eine schlechte Wärmeversorgung aufgrund des veralteten Verteilungssystems sorgten zeitweise für erheblichen Ärger bei den Mietern. Den Bewohnern wurde während der Bauzeit von den Eigentümern eine sogenannte Umsetzwohnung angeboten. Anfallende Kosten für den vorübergehenden Umzug wurden übernommen.

Bauaufgabe sozialverträglich gestaltet

Der Bauherr entschloss sich zu einer Komplettsanierung mit Umstellung des Heizsystems von Fernwärme auf regenerative, am Gebäude erzeugte Energie zur Heizung und Warmwasserversorgung. Zusätzlich sollte neuer, familiengerechter Wohnraum mit großen Wohnungsgrundrissen entstehen, da dieser in der Wohnanlage bislang nur spärlich vorhanden war.

Mehr Platz durch Aufstockung

Die Planer haben sich für das Vorhaben eine Menge spannender Lösungen einfallen lassen. Für den schon existierenden, hohen Dachspeicher wählten sie einen Dachgeschossneubau in Holz, der die Gebäude nur um ca. 1,50 m erhöht. Die äußerst kompakte Bauform ermöglichte es, ohne übermäßig dicke Dämmstärken den jährlichen Heizwärmebedarf inkl. Warmwasser von ursprünglich ca. 200 bis 210 kWh/m² auf ca. 33 kWh/m² inklusive Warmwasser zu senken. Der alte Dachraum wurde in allen Gebäuden rückgebaut und durch den Neubau aus Holzfertigteilen ersetzt.
Durch eine intelligente Anlagentechnik sowie eine Beheizung des Gebäudes mit niedrigen Vorlauftemperaturen wurde der nun nutzbare Solarertrag der solarthermischen Anlage langfristig enorm erhöht: von rund 300 kWh pro Quadratmeter und Jahr auf über 650 kWh.

Bezahlbar aufgewertet

Der Vorteil für die Mieter liegt klar auf der Hand: Der Großteil ihrer bisherigen Energiekosten entfällt. Durch die fast vollständige Unabhängigkeit von Strom- und Energielieferungen sind die Mitglieder zudem kaum mehr von steigenden Energiepreisen betroffen. Vielmehr wird die neue Warmmiete der bisherigen Warmmiete nahezu entsprechen. Bisher zahlten Mieter 7,94 Euro Warmmiete pro Quadratmeter, bei 32 Quadratmetern, also einer durchaus Lichterfelde-typischen Wohnung, macht das 254,08 Euro. Nach der Sanierung könnte die Miete rechtlich zulässig auf 12,92 Euro je Quadratmeter angehoben werden, die Wohnung würde dann über 413 Euro kosten. Das will die Genossenschaft ihren Mitgliedern nicht zumuten. Deshalb legte sie die Warmmiete im genannten Beispiel auf 8,25 Euro je Quadratmeter fest; die sanierte Wohnung kostet damit 264 Euro – gerade 10 Euro mehr als zuvor. Das autarke regenerative Energiekonzept drückt den derzeit hohen Verbrauch in den Gebäuden erheblich nach unten. Auch bei der Sanierung selbst kann man schon viel Zeit und Energie sparen.

„Wir haben hier mit der Vorfertigung in der Holzfertigbauweise enorme Vorteile, da nichts dem Zufall überlassen wird.“ sagt Thomas Rintsch, Geschäftsführer der Arche Naturhaus GmbH. „Die Montagedauer ist kurz und erfolgt direkt auf der Baustelle. So kann man für die Mieter eine erträgliche Umbauphase gestalten und ihnen zügig eine neue und komfortable Wohnsituation präsentieren.“ Die Sanierung ist somit unter energetischen und städtebaulichen Gesichtspunkten ein vorbildliches Projekt für den Umgang und Erhalt prägender Bausubstanz in Verbindung mit modernen Technologien und innovativen Bauweisen.

Text: Eva Mittner
Fotos: Sergej Kleptcha; Märkische Scholle eG

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